Aktuelle Forschung und Projekte

Zu den laufenden Projekten gehört die Analyse und Prognose der kurz- und mittelfristigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Viele dieser Arbeiten fließen in die Gemeinschaftsdiagnose ein, die gemeinsam mit anderen Wirtschaftsforschungsinstituten im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstellt wird.

Ziel der Gemeinschaftsdiagnose ist die Analyse und Prognose der Entwicklung der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft sowie die Ableitung wirtschaftspolitischer Empfehlungen. Sie enthält eine detaillierte Prognose für das jeweils laufende und das kommende Jahr sowie darauf aufbauend eine Mittelfristprojektion über einen Zeitraum von fünf Jahren. Jedes Gutachten enthält darüber hinaus ein Schwerpunktthema, in dem aktuell relevante Fragen aufgegriffen werden. Sie wird zweimal im Jahr jeweils im Frühjahr und im Herbst erstellt und liefert eine Referenz für die Projektionen der Bundesregierung.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Nutzung von Internetdaten für die Beschreibung der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. So wurde ein auf Google-Daten basierender Indikator für den privaten Konsum entwickelt.
Der RWI-Konsumindikator versucht, Informationen zur Suchintensität, die von Google bereitgestellt werden, für die Prognose des privaten Konsums zu nutzen. Google weist den Anteil der Suchanfragen nach 605 Kategorien und Unterkategorien zum jeweiligen Zeitpunkt aus. Zur Konstruktion des Indikators werden aus den von Google angebotenen Kategorien 45 ausgewählt, die für die privaten Konsumausgaben relevant sind. Die Google-Zeitreihen werden mit einem statistischen Verfahren (CENSUS X12 ARIMA) saisonbereinigt. Im nächsten Schritt werden die 45 Einzelindikatoren zu einem Gesamtindex verdichtet, indem aus den Vormonatsveränderungen der Google-Zeitreihen ein monatlicher „Diffusionsindex“ gebildet wird. Dieser gibt an, wie groß der prozentuale Anteil der betrachteten Einzelreihen ist, die in einem Monat gestiegen sind. Anschließend wird dieser Index, der Werte zwischen 0 und 100 annehmen kann, zu einem Index auf Quartalsbasis aggregiert.

Darüber hinaus stellt die Analyse der Effekte des demografischen Wandels auf die Wirtschaft einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit dar. In einer Studie für das schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft werden die Wirkungen des demografischen Wandels auf das Wirtschaftswachstum und die gesamtwirtschaftliche Produktivität analysiert. Aufbauend auf einem umfassenden Literaturüberblick erfolgt eine empirische Analyse des Zusammenhangs im Rahmen einer vergleichenden Länderstudie. Da demografische Veränderungen in der Regel nur langsam vonstattengehen, ist ein möglichst langer Beobachtungszeitraum bei der Analyse demografischer Effekte von Vorteil. Daher kommen historische Daten ab 1890 zur Anwendung, welche es erlauben pro Land verschiedene demografische Zyklen zu berücksichtigen, wodurch die Altersstruktureffekte genauer bestimmt werden können. Zunächst wird der empirische Zusammenhang zwischen der Altersstruktur und dem BIP pro Einwohner betrachtet. Im Folgenden wird der Gesamteffekt basierend auf einer makroökonomischen Produktionsfunktion in verschiedene Teile zerlegt (z.B. die Arbeitsproduktivität, die Kapitalintensität, oder den Technologischen Fortschritt).