Projekte in Wissenschaft und Praxis

22.07.2016

Rückblick der WAZ auf die Abschlussveranstaltung des WS16/17 bei der Gebrüder Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei GmbH

Die zündende Idee: Studenten beraten Gründer

Bochum. 14 Projektteams der Ruhr-Uni haben sich praxisnah mit Unternehmertum beschäftigt. Wissenschaft und Wirtschaft sollen näher zusammenrücken.

Klappern gehört zum Handwerk - auch in der Wissenschaft. „Wir haben Studierende, die ‘was können“, kündigte Prof. Helmut Karl die Vorstellung von Praxisprojekten an, die 14 studentische Teams angehender Wirtschaftswissenschaftler der Ruhr-Uni im Sommersemester erarbeitet haben und die sich mit Unternehmertum, Existenzgründung und Innovation beschäftigten.

Und das an einem Ort, der nach Einschätzung des Dekans der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft geradezu prädestiniert ist für die Beschäftigung mit Entrepreneurship, also mit Gründer- und Unternehmertum. Vorgestellt haben die Uni-Teams ihre Ideen nämlich in jenem gediegenen Saal des Maschinen- und Getriebeherstellers Eickhoff, im dem mit einer Büste an den Firmengründer Carl Eickhoff erinnert wird - einem innovativen Entrepreneur seiner Zeit.
Zu wenige Ausgründungen

Heute, 152 Jahre später, hängt die Zukunft einer Stadt mit dem großen wissenschaftlichen Potenzial und der wirtschaftlichen Geschichte Bochums davon ab, wie gut es gelingt, diese beiden Welten – Wissenschaft und Wirtschaft – besser miteinander zu verbinden. Ein Manko ist hinlänglich bekannt: Es gibt zu wenige Ausgründungen aus der universitären Welt, zu wenig Wissen kommt in der Wirtschaft arbeitsplatz- und gewinnbringend an.

Wf

Manuel Roters und seine Mitstreiter Moritz Schmidt, Henrik Leysner, Vinitha Yogachandran und Julian Wiechers, die sich als Projektgruppe mit der Idee einer „Studentischen Gründungsberatung“ und der Entwicklung eines studentischen Beratungsunternehmens für Start-ups beschäftigten, haben erkannt, woran das u.a. liegt: Potenzielle Gründer schrecken häufig davor zurück, den obligatorischen Businessplan zu erstellen. „Da gibt es große Defizite“, sagt Roters. Das gelte auch für die Vermittlung dieser Kompetenz.

Abhilfe schaffen könnte nach Vorstellung des Projektteams ein Verein, in dem Studenten die Beratung von künftigen Gründer übernehmen. Die Vorzüge gegenüber den bereits bestehenden Strukturen? „Die Hemmschwelle für die Studenten, Hilfe zu suchen, wird niedrig gehalten. Zudem gebe es steuerliche Vorteile, kein finanzielles Risiko und keine großen Kosten“, so Henrik Leysner.

So weit die Theorie. Aber beim akademischen Vortrag soll es nicht bleiben, das Pilotprojekt der Worldfactory soll in die Tat umgesetzt werden. „Das Team will jetzt auch tatsächlich den Verein gründen und ehrenamtlich darin arbeiten“, sagt Nicola Werbeck, Geschäftsführerin der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft an der Ruhr-Uni. „Wir sind glücklich, dass wir solche Studenten haben.“ Und sie ist auch froh, dass das vor einem Jahr neu eingeführte Lehrkonzept der praxisorientierten Projektarbeit so gut fruchtet. Nicht nur die Fakultät betritt damit Neuland. Es sind auch neue Erfahrungen, die die Studierenden machen. Denn die haben sonst, so Werbeck, kaum die Chance, praktische Projektarbeit zu betreiben.


„Ressource Universität ist wichtig“

Nicht nur die Worldfactory soll von den Ergebnissen des studentischen Projekt profitieren. „Wir hoffen, dass es in Zukunft zu mehr Gründungen kommt“, sagt Projektteam-Mitglied Moritz Schmidt. Und auch etablierte Firmen, mitunter Partner der Projekte, sollen etwas davon haben: wie etwa Maschinenbauer Eickhoff, ein weltweit tätiges Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 300 Millionen Euro.

Eickhoff-Geschäftsführer Paul Rheinländer ist jedenfalls überzeugt, dass der Austausch mit Universitäten sein Unternehmen weiterbringt. Viele Antriebsingenieure von Eickhoff kommen von der Ruhr-Uni, viele Bergbau-Ingenieure von der TH Aachen, zu beiden Universitäten pflegt das Bochumer Traditionsunternehmen gute Kontakte. „Die Ressource Universität ist extrem wichtig für ein Unternehmen wie das unsrige. Als Mittelständler ist es wichtig, bekannt zu werden als interessanter Arbeitgeber. Viele Absolventen wollen zu ZF, Daimler oder BMW. Dabei ist es hier viel spannender als in einem Großbetrieb zu arbeiten.“ Wer wüsste das besser als er selbst, der einst seinen Doktor-Titel mit einer Arbeit über ein volkswirtschaftliches Thema errang und bis heute seine Handschrift bei einem mittelständischen Unternehmen – eben Eickhoff – hinterlässt.

Die Artikel sind auch auf den Seiten der WAZ verfügbar:
Die zündende Idee: Studenten beraten Gründer
„Ressource Universität ist wichtig“