Podiumsdiskussion - Experten diskutieren über Zukunft von Thyssen-Krupp-Stahl

16.10.2017

„Situation Kunst“ bringt Politik, Gewerkschaft und Wirtschaft zur Diskussion über Thyssen-Krupp Stahl/Tata-Fusion zusammen. Fronten bleiben hart.

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Alexander von Berswordt-Wallrabe brachte am Sonntag interessante Gesprächsrunde zusammen.
© Ingo Otto

„Tütata“ tönt eigentlich ein Feuerwehrauto. Mit „Tütata“ kürzt Wilhelm Segerath, Betriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp, auch die geplante Fusion der Stahlsparten von Thyssen-Krupp Stahl und Tata-Steel ab. „Wir müssen einen Brand löschen“, stellte Segerath am vergangenen Sonntag im Vortragssaal von Situation Kunst fest.

Alle an einem Tisch

Alexander von Berswordt-Wallrabe hatte ihn mit dem Landtagsabgeordneten Karsten Rudolph (SPD), der IG Metall-Gewerkschaftlerin Eva-Maria Kerkemeier, der Betriebswirtin Marion Steven und mit Peter Dollhausen, Geschäftsführer der Thyssen-Krupp Senior Experts GmbH, an einen Tisch gebracht. „Wir wollen eine Bestandsaufnahme des Ruhrgebiets im fortschreitenden Strukturwandel wagen und ein konstruktives Gesprächspodium bieten“, kündigte Berswordt-Wallrabe an.

Im Vordergrund stand dabei die Fusion von Thyssen-Krupp Stahl mit dem indischen Tata-Konzern: Verbunden mit einem geplanten Stellenabbau von 2000 Arbeitsplätzen. „Die Stahlwelt ist ganz anders als vor 15 Jahren“, sagte Dollhausen zu Beginn. Man brauche eine bestimmte Größe, um der europäischen Nummer 1 Arcelor Mittal die Stirn zu bieten. „Manche Umbrüche kann man nicht aufhalten, die Verlegung der Zentrale nach Essen war aber ein klares Commitment zum Ruhrgebiet.“

Managementfehler

Segerath wollte davon nichts hören: „Wir leiden unter Managementfehlern, die bei Investitionen in Amerika und Brasilien gemacht worden sind.“ Es gehe um Bilanzkosmetik anstatt um Zukunftsfähigkeit. Das Argument, man müsse Überkapazitäten abbauen, stimme nicht. Auch Kerkemeier unterstützte ihn: „Bochum ist nicht Detroit, wir müssen so viele Arbeitsplätze halten wie möglich und Industriestandort bleiben.“ In den letzten 15 Jahren habe sie den Abbau von 15 000 Stellen in der Industrie begleitet, die neu geschaffenen Jobs seien oft viel schlechter bezahlt. „Opel sollte die Arbeitskräfte aus dem Bergbau auffangen, wurde aber schneller geschlossen als die letzte Zeche“, mahnte sie.

Rudolph betonte, dass die Industrie die Kultur des Ruhrgebiets entscheidend geprägt hat. „Wir haben aber die Kraft uns immer wieder neu zu erfinden“, so Rudolph. Die Politik könne dennoch etwas tun: Etwa bei der Unternehmenssteuergesetzgebung oder dem Emissionshandel. Betriebswirtin Steven gab zu: „Die Industriebranche schrumpft in Deutschland, der Dienstleistungssektor wächst, das kann man nicht wegreden.“

Quelle: WAZ, Marie Illner.