Workshop zum Thema „Nachhaltigkeit“ in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft

14.07.2014

Am 30. Juni 2014 fand in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft ein erster Workshop zum Thema „Nachhaltigkeit“ statt. 12 Mitglieder und Partner der Fakultät präsentierten ihre Forschungsarbeiten zu diesem Thema, weitere 30 Fakultätsmitglieder waren anwesend und diskutierten die vorstellten Arbeiten.

Das Ziel des Workhops war es, die vielfältigen Arbeiten der Fakultätsmitglieder zum gesellschaftlich sehr wichtigen Thema des nachhaltigen Wirtschaftens innerhalb der Fakultät bekannt zu machen und nach Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten in Forschung und Lehre zu suchen. Der Workshop war ein großer Erfolg und zeigte, dass dieses Thema ein zentrales Forschungsthema der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft ist. In Zukunft soll dieser Themenschwerpunkt weiter ausgebaut und in weiteren Workshops auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Der Tag startete mit einer Einführung von Forschungsdekan Prof. Roos, der in den Workshop und die Thematik einführte.

Prof. Busse, der den Lehrstuhl für Internationale Wirtschaftsbeziehungen innehat, begann mit dem ersten inhaltlichen Vortrag. Er und seine Lehrstuhlmitarbeiter beschäftigen sich mit exportgestütztem Wachstum im subsaharischen Afrika. Die Möglichkeiten und Grenzen durch Exporte nachhaltiges Wachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, zu generieren sind von zentraler Bedeutung der Forschung. Prof. Karl, derzeitiger Fakultätsdekan und Inhaber des Lehrstuhls Volkswirtschaftspolitik 3, erklärte welche Forschung er im Bereich Regenwassermanagement- und Nutzung vor dem Hintergrund extremer Wetterbedingungen durchführt. Durch die beiden Vorträge wurde bereits deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht nur im globalen Kontext, sondern auch auf lokaler Ebene eine große Rolle spielt, und die Forschung zu Nachhaltigkeit sehr komplex ist. Dies wurde durch den Vortrag von Frau Dr. Martina Shakya, Mitarbeiten am Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik an der RUB, untermauert, die ein BMBF-gefördertes Projekt unter dem Namen „UrbanFood Plus“ vorstellte. In dem interdisziplinären Projekt mit Partneruniversitäten im In- und Ausland geht es vor allem um die nachhaltige Lebensmittelsicherheit und Einkommensgenerierung landwirtschaftlicher Haushalte durch optimierte Bodenfertilität und Wasserbewirtschaftung in Westafrika.

Auch das RWI beteiligte sich mit zwei Beiträgen am Workshop. Herr Dr. Nils aus dem Moore, Leiter der Forschungsgruppe „Nachhaltigkeit und Governance“, stellte das Konzept des gleichnamigen Forschungsprojektes vor. Er gab damit einen Überblick über die Themen im Bereich Nachhaltigkeit, mit denen sich die Ökonomen des Forschungsinstituts beschäftigen. Darunter fallen Fragestellungen zur Energieeffizienz, aber auch die Auswirkungen verstärkt nachgefragter ökologischer Nachhaltigkeit in Industrieländern auf Ernährungskrisen oder Krisen politischer Ordnung in Entwicklungsländern. Des Weiteren stellte Dr. Mark Andor, Wissenschaftler im Kompetenzbereich „Umwelt und Ressourcen“ des RWI, seine Forschungstätigkeit im Bereich der Umwelt- und Energieökonomik vor. Ebenfalls zur Nachhaltigkeit im Bereich der Energieökonomik präsentierte Katrin Schulz vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Unternehmensforschung und Rechnungswesen, welchen Beitrag Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zur Energiewende leisten können.

Der Lehrstuhl für Produktionswirtschaft war mit zwei Vorträgen am Workshop beteiligt, die unter anderem den Einsatz nicht-erneuerbarer Ressourcen aus der produktionswirtschaftlichen Perspektive beleuchteten. René Blank stellte ein umfassendes Definitionskonzept von Nachhaltigkeit vor. Er beschäftigt sich damit vor dem Hintergrund der Planung, Kontrolle und Steuerung der einzelwirtschaftlichen nachhaltigen Entwicklung im Kontext der nicht-erneuerbaren Ressourcen. Stefan Krusenbaum, ebenfalls Mitarbeiter am Lehrstuhl für Produktionswirtschaft, präsentierte seine Forschungsergebnisse zum Thema Umweltstandards im Fuhrparkmanagement. Hier wurde nochmals deutlich, dass sich die Fragestellungen der Teilnehmer sowohl auf ökonomische und ökologische, als auch auf soziale Nachhaltigkeit beziehen.

Auf einem ganz anderen Gebiet der Nachhaltigkeit wurde vom Lehrstuhl Human Resource Management durch Prof. Winter und seine Mitarbeiterin Maike Manthey vorgestellt, dass die aktuell geführte Diskussion über nachhaltige Bildung auch die eventuellen negativen Konsequenzen von Bildung berücksichtigen müsse. Sie trugen vor, welche negativen Externalitäten von Hochschulbildung ausgehen können, wie zum Beispiel die Schaffung von Wissen über die Herstellung von Atomwaffen und anderen gefährlichen Gütern oder Gefahrenstoffen.

Dass auch im Bereich Marketing Nachhaltigkeit einen großen Stellenwert einnimmt, wurde durch drei Vorträge zur aktuellen Forschung des Sales & Marketing Department deutlich. In einem ersten Überblicksvortrag präsentierte Dr. Laura Marie Schons ein Praxiskooperationsprojekt mit IKEA Deutschland, innerhalb dessen zusammen mit dem Unternehmen vielfältige Themen aus den Bereichen Corporate Social Responsibility und nachhaltiges Konsumverhalten erforscht werden. Über ein ganzes Jahr hinweg wurde im Rahmen dieses Projektes ein ‚Panel‘ von IKEA Kunden (240.000 Personen aus ganz Deutschland) zur Wahrnehmung der sozialen und Umweltmaßnahmen von IKEA und zu ihrem eigenen Konsumverhalten befragt. Die so erhobenen Daten geben einerseits Aufschluss über die Erwartungen, die von Kunden an das soziale und nachhaltige Verhalten von Unternehmen gestellt werden. Andererseits lassen sich aus ihnen konkrete Strategien der CSR Kommunikation ableiten, z.B. Strategien mit denen ein Unternehmen eine zweiseitige Kommunikation mit den Kunden implementieren kann um optimal auf die Erwartungen dieser reagieren zu können. Ein Teilprojekt dieser Praxiskooperation, welches sich mit der Frage beschäftigt wie Unternehmen ihre Kunden zu nachhaltigem Kaufverhalten motivieren können, wurde im Anschluss von Gina Mende vorgestellt. In diesem Projekt verwenden Gina Mende und Laura Marie Schons psychologische Theorien der Motivationsforschung, die sie in einem Experiment auf ihre Wirksamkeit im Kontext nachhaltiger Produkte prüften. Das dritte Projekt des Sales & Marketing Departments, welches von Judith Gesing präsentiert wurde, stellt ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben (in Kooperation mit Ingenieuren) aus einem aktuell laufenden Drittmittelantrag dar. Das Team verwendet hierbei denselben theoretischen Ansatz aus der Motivationspsychologie um zu erforschen, wie Mensabesucher dazu animiert werden können, ihr Essen per Online-App im Voraus zu bestellen und dadurch dazu beizutragen, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden müssen.