50 Jahre - 50 Vorträge

07.05.2015

Am 4. Mai 2015 hielt Prof. Dr. Bauer im Rahmen der Vortragsreihe „50 Jahre – 50 Vorträge“ einen Vortrag zum Thema: „Unstatistik des Monats“.


Der Berliner Psychologe Prof. Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Prof. Walter Krämer haben gemeinsam mit Prof. Thomas Bauer im Jahr 2012 die Aktion „Unstatistik des Monats“ ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Aktion werden jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen hinterfragt. Die Aktion will so dazu beitragen, mit Daten und Fakten vernünftig umzugehen, in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu interpretieren und eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoller zu beschreiben. Im Rahmen seines Vortrags stellte Herr Prof. Bauer drei Kapitel aus dem aus dieser Aktion entstanden Buches „Warum Dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet“ (Campus Verlag) vor.

Im Rahmen von Kampagnen zur „Brustkrebsvorsorge“ werden viele Statistiken verbreitet, mit denen Frauen von der Notwendigkeit eines Mammographie-Screenings überzeugt werden sollen. Dabei handelt es sich bei diesem Screening keineswegs um eine „Vorsorge“, sondern um eine Methode zur Früherkennung von Brustkrebs, da mit dem Screening Brustkrebs nicht verhindert werden kann. Herr Prof. Bauer stellte dar, wie mit der Verwendung ausgewählter Statistiken Frauen im Rahmen dieser Kampagne getäuscht werden uns stellte die wirklich wichtigen Zahlen über den Nutzen und Schaden des Screenings vor. Eine aufrichtige Aufklärung von Frauen über diese Statistiken würde den Frauen eine informierte Entscheidung über Teilnahme oder Nichtteilnahme am Screening ermöglichen.

Im zweiten Teil seines Vortrags erläuterte der Referent die Aussagekraft von Rankings jeder Art, wie bspw. Universitäts-Rankings, Medaillen-Rankings von Ländern bei den Olympischen Spielen oder Ranglisten von Ländern nach dem Geldvermögen der jeweiligen Bevölkerung. Insbesondere ging Herr Prof. Bauer anhand von einigen Beispielen auf die Probleme ein, die mit der Aggregation von verschiedenen Eigenschaften in einen Zahl zur Erstellung einer Rangliste verbundenen sind. Seine Schlussfolgerung war, derartige Ranglisten einfach zu ignorieren.

Abschließend erläuterte einen weiteren Turbogenerator für Unstatistiken: die Verwechslung von Korrelation (d.h. die Gleichzeitigkeit beobachteter Phänomene) und Kausalität (ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang). Anhand von verschiedenen Beispielen wurde aufgezeigt, welche Fehler bei der Verwechslung von Korrelation und Kausalität entstehen können und erklärte kurz einige Methoden der modernen empirischen Wirtschaftsforschung zur Identifikation kausaler Effekte.

Prof. Dr. Thomas K. Bauer